Durchwärmungsanwendungen haben das Ziel in der Körperschale eine Temperatur von 36-37°C zu erreichen, ohne Fieber zu erzeugen. Ausgehend von der Gewebetemperatur (25-34 °C) ist in der Körperschale damit eine Temperatursteigerung um 5-10 °C möglich. Der Stoffwechsel wird um den Faktor 2-3 gesteigert, die Gewebeperfusion erhöht und die Versorgung verbessert. Im Verbund mit der gesteigerten Durchblutung werden Effekte erreicht, die man mit den Begriffen „Entschlackung“ und „Entgiftung“ des Gewebes umschreiben kann. Die Schweißbildung unterstützt die Entgiftung in größerem Umfang.

Im therapeutischen Bereich nutzt die WAON-Therapie übliche Infrarotkabinen bei 50-60 °C Lufttemperatur. Die Patienten werden aber bereits nach 10-15 Minuten aus der Kabine geholt und mit einer Wärmestaudecke versorgt. Durch den Wärmestau kommt es dann innerhalb von 30-40 Minuten über das Blut zu einer gleichmäßigen Durchwärmung der Körperschale.

Eine andere Möglichkeit besteht in der Nutzung der Thermoneutralzone (27-35°C). Der Körper befindet sich im Wärmegleichgewicht und das Blut kann ungehindert ins Körperinnere strömen. Die Wärmezufuhr erfolgt dann über nur maximal 12% der Haut (meist im Rückenbereich) und arbeitet mit der Wärmeregulation. Es vermischt sich 90% thermoneutrales Blut mit 10% erwärmtem Blut. Das Hitze-Alarmsystem im Körperinneren springt nicht an, der Zustrom des geringfügig erwärmten Blutes zum Körperinnern wird zugelassen. Die Körperkerntemperatur steigt von Beginn kontinuierlich und langsam an (0,2-0,3 °C). Über eine Veränderung der Durchblutung wird dann schrittweise die zugeführte Wärme von innen nach außen verteilt. Es kommt zu einer Durchwärmung, die Herz-Kreislauf-Belastung bleibt gering.

Gute Infrarotkabinen halten die Hautbelastung gering

Ob Kneipp-Prinzip oder Durchwärmung gilt für Infrarotkabinen: Da die Wärmeaufnahmefähigkeit der Haut erst mit zunehmender Durchblutung ansteigt, sollte man zu Beginn der Anwendung niedrige Bestrahlungsstärken (ca. 40mW/qcm) wählen. Das kann durch einen entsprechend großen Abstand zum Strahler oder durch eine Intensitätsregelung geschehen.

Das Bestrahlungsfeld sollte homogen sein. Je besser die Durchblutung der Haut, umso effizienter kann Wärme „verarbeitet“ werden, ohne die Hauttemperatur in problematische Bereiche ansteigen zu lassen. Die Intensität kann dann Schritt für Schritt gesteigert werden. 80mW/qcm reichen als maximale Intensität in der Regel völlig aus.

Mit welcher Infrarotintensität die Haut bei der vorgeschriebenen Sitzposition vor einem Strahler und abhängig von dessen jeweiliger Einstellung erwärmt wird, darüber kann ihnen ein seriöser Hersteller Auskunft erteilen. Ideal sind Strahlersysteme, deren Bestrahlungsstärke automatisch über eine berührungslose Messung der Hauttemperatur gesteuert wird. Hier passt sich der Strahler automatisch den individuellen Gegebenheiten an und gewährleistet eine minimale Hautbelastung bei maximalem Effekt. Auch Menschen mit Störungen des Wärmeempfindens oder der Wärmeregulation laufen hier nicht Gefahr, die Haut thermisch zu überlasten.

Infrarotstrahlung

Die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitenden Schwingungen elektrischer und magnetischer Felder bezeichnet man als elektromagnetische Strahlung. Entsprechend ihrer Frequenz (und damit Energie) wird sie grob in Gammastrahlung, Röntgenstrahlung, ultraviolette Strahlung, sichtbare Strahlung (Licht), Infrarotstrahlung, Mikrowellenstrahlung und Radiowellen unterteilt.

Je nach ihrer Energie tritt die Strahlung auf ganz unterschiedliche Weise in Erscheinung und entfaltet unterschiedliche Wirkungen auf Materie und Lebewesen. Die hochenergetischen Gamma- und Röntgenstrahlen haben ein hohes Durchdringungspotenzial und verändern Materie direkt (ionisierend). Kurzwellige UV-Strahlung dringt nicht mehr tief ein – wirkt aber noch ionisierend.

Langwelliges UV-Licht, sichtbares Licht, Infrarotstrahlung, Mikrowellen und Radiowellen können die Materie nicht mehr direkt verändern („nicht-ionisierend“). Diese Bereiche der elektromagnetischen Strahlung treten auf andere Weise mit der Materie in Wechselwirkung. Infrarotstrahlung überträgt ihre Energie als Schwingungsenergie auf die Materie (ähnlich der Resonanz zwischen einer Stimmgabel und den korrespondierenden Klaviersaiten) und diese molekulare Schwingung wird als Wärme „spürbar“. Die Wirkung der Infrarotstrahlung (Infrarotstrahler, Kachelofen, Feuer etc.) wird als Wärme (-wirkung) wahrgenommen – daher auch das umgangssprachliche Synonym „Wärmestrahlung“.

Wärmeanwendungen mittels Infrarotbestrahlungen sind keine Strahlentherapie!